Von Nosseir bis Elgendy: Ein Jahrhundert ägyptischer Medaillen bei Olympia und den Paralympics
Vom Gold El-Sayed Nosseirs 1928 bis zu Ahmed Elgendys Rekordtitel in Paris, von Fatma Omar bis Sherif Osman auf der Plattform des Para-Powerlifting: ein ganzes Jahrhundert ägyptischer olympischer und paralympischer Medaillen – zum größten Teil errungen mit purer Kraft.

Ägyptens olympische Geschichte beginnt früher als die der meisten anderen Länder. Ägypten war das erste arabische Land, das bei den Spielen antrat – sein Debüt gab es 1912 in Stockholm –, und es hat seither eine der größten Medaillensammlungen Afrikas aufgebaut. Das Muster dieser Sammlung ist unverkennbar: Ägypten gewinnt mit Kraft. Gewichtheben und Ringen machen den Großteil seiner olympischen Medaillen aus, und bei den Paralympischen Spielen ist das Para-Powerlifting zur nationalen Spezialität geworden. Von den Hanteln in Amsterdam 1928 bis zum Gold im Modernen Fünfkampf in Paris zeichnen die Medaillen ein ganzes Jahrhundert ägyptischen Sports nach.
Der Durchbruch kam 1928 in Amsterdam: Der Gewichtheber El-Sayed Nosseir holte Gold im Halbschwergewicht, der Ringer Ibrahim Moustafa einen Titel im griechisch-römischen Stil – zwei Champions bei einer einzigen Ausgabe, zu einer Zeit, in der auf olympischen Podesten kaum je jemand aus Afrika oder der arabischen Welt stand. Der Wasserspringer Farid Simaika fügte Silber und Bronze vom Brett hinzu. Für ein Land, das noch unter britischer Besatzung stand, wurden die Medaillen daheim als weit mehr gelesen als Sport: als Beweis für ein Ägypten, das es mit jedem aufnehmen konnte.
Berlin 1936 brachte jene Leistung hervor, von der bis heute mit Staunen erzählt wird. Der Mittelgewichtler Khadr El-Touni gewann Gold mit einer Summe, die über dem lag, was der Sieger der nächsthöheren Gewichtsklasse gestemmt hatte – eine Tat, die ihn zur Legende seines Sports machte und zu einem der meistgefeierten Gewichtheber seines Jahrhunderts. Anwar Mesbah teilte sich das Gold im Leichtgewicht, und Ägyptens Heber verließen Berlin mit einer Medaillenausbeute, die das Land für eine ganze Generation als echte Gewichtheber-Großmacht etablierte.
London 1948 bestätigte das: Mahmoud Fayad und Ibrahim Shams gewannen zwei Goldmedaillen im Gewichtheben – Fayad mit Weltrekordsumme im Federgewicht –, Attia Hamouda holte Silber. Zwischen 1928 und 1948 sammelten Ägyptens Heber und Ringer einen Medaillenschatz, der in Afrika und im Nahen Osten seinesgleichen suchte. Die starken Männer waren Nationalhelden, ihre Porträts hingen an den Wänden der Cafés, und ihre Sportarten schlugen in ägyptischen Vereinen und Gassen Wurzeln, die seither niemand herausgerissen hat.
Dann kam die Dürre. Kriege, Boykotte und knappe Mittel hielten Ägypten von manchen Spielen fern und ließen es für andere schlecht vorbereitet antreten; ein halbes Jahrhundert lang nach London klafften im Medaillenspiegel lange Lücken. Die Tradition aber blieb in den Vereinen lebendig, auch als sie vom Podest verschwand: Jungen rangen und hoben weiter, Verbände richteten weiter ihre Meisterschaften aus, Ägypten schickte weiter seine Mannschaften. Es fehlte allein der letzte Schritt aufs Podest – bis ihn ein Ringer des griechisch-römischen Stils aus dem Nildelta mit lautem Knall tat.
In Athen 2004 überrollte Karam Gaber seine Konkurrenz und gewann Gold im griechisch-römischen Ringen – Ägyptens ersten olympischen Titel seit 1948 –, ehe er 2012 in London Silber hinzufügte. Um ihn herum kehrten die Medaillen zurück: Judo-Bronze für Hesham Mesbah 2008 in Peking und, in London, Fecht-Silber für Alaa Abouelkassem, die erste olympische Fechtmedaille der ägyptischen Geschichte und eine angemessene Verbeugung vor jener Sportart, mit der Ägypten ein Jahrhundert zuvor in die Spiele eingetreten war.
Rio 2016 veränderte das Gesicht der Mannschaft. Die Gewichtheberin Sara Ahmed, damals noch ein Teenager, stand mit ihrer Bronzemedaille als erste Ägypterin auf einem olympischen Podest; die Taekwondo-Kämpferin Hedaya Malak fügte eine weitere Bronzemedaille hinzu, Mohamed Ihab eine dritte im Gewichtheben. In einer Delegation, die lange ihre starken Männer definiert hatten, war der Durchbruch der jungen Frauen die eigentliche Geschichte – und er war kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Investitionen von Verbänden und Vereinen in den Frauensport im ganzen Land.
Tokio 2020 brachte Ägypten die reichste Ausbeute bei einer einzigen Ausgabe: sechs Medaillen. Feryal Abdelaziz gewann das Schwergewichtsfinale im Karate und wurde als erste Ägypterin Olympiasiegerin; Ahmed Elgendy holte Silber im Modernen Fünfkampf; Bronze kam aus Karate, Taekwondo und Ringen. Diese Bilanz gelang trotz eines schmerzhaften Fehlens: Ägyptens Gewichtheber, der historische Kern der Delegation, blieben nach Dopingverstößen im Verband von Tokio ausgeschlossen – eine harte Erinnerung daran, dass Tradition allein nichts garantiert.
In Paris 2024 vollendete Ahmed Elgendy den Aufstieg und gewann Gold im Modernen Fünfkampf mit einer Rekordpunktzahl – der erste olympische Titel in dieser Sportart für Ägypten und für Afrika. Sara Ahmed Samir, die Pionierin von Rio, kehrte im Gewichtheben aufs Podest zurück, und Ägyptens Ringer hielten ihre alte Flamme mit einer weiteren Medaille am Brennen. Ein Jahrhundert nach Amsterdam sprachen die Medaillen der Mannschaft noch immer den alten Dialekt der Kraft – ergänzt inzwischen um neuere Sprachen, die Ägypten unterwegs gelernt hat.
Das paralympische Kapitel ist womöglich das stolzeste von allen. Ägypten hat das Para-Powerlifting zu einer nationalen Institution gemacht, die Spiele für Spiele Champions auf die Podeste schickt. Fatma Omar sammelte über mehrere aufeinanderfolgende Ausgaben paralympisches Gold und wurde zu einem der prägenden Gesichter dieses Sports, während Sherif Osman sich Hantel um Hantel zu eigenen paralympischen Titeln und Weltrekorden hocharbeitete. Hinter ihnen steht eine breite nationale Basis von Heberinnen und Hebern mit Behinderung – die Fortsetzung genau jener Krafttradition, die mit Nosseir und El-Touni begann, diesmal getragen auf der paralympischen Bühne.
Kein ägyptischer Paralympionike ist bekannter als Ibrahim Hamadtou, der Tischtennisspieler, der bei einem Unfall in der Kindheit beide Arme verlor und sich selbst beibrachte, mit dem Fuß aufzuschlagen und den Schläger im Mund zu halten. Seine Auftritte bei mehreren aufeinanderfolgenden Paralympischen Spielen machten ihn zu einer weltweiten Ikone der paralympischen Bewegung selbst, und sein Motto „nichts ist unmöglich“ wird weit über den Sport hinaus zitiert. Neben ihm gehören Ägyptens Sitzvolleyball-Auswahlen seit Jahren zu den stärksten Teams außerhalb der traditionellen Giganten dieser Sportart und sind eine feste Größe bei paralympischen Turnieren.
Liest man die olympische und die paralympische Bilanz zusammen, lehren sie dieselbe Lektion: Ägypten gewinnt dort, wo Tradition, Vereine und Verbände in eine Richtung ziehen – Kraftsportarten vor allem anderen –, und es erschließt neues Terrain, wenn es früh investiert, wie im Frauensport und im Modernen Fünfkampf. Die nächsten Kapitel sind bereits skizziert: junge Heber, Ringer, Fechter und Fünfkämpfer, die weltweit antreten, und ein paralympisches Programm, das immer neue Champions hervorbringt. Ein Jahrhundert nach den ersten Goldmedaillen bleibt die Geschichte der ägyptischen Medaillen, was sie 1928 war – unvollendet und noch immer mit der Hand geschrieben.
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